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Calvin
Jean Calvin (1509-1564). Für die franz. Literatur- und Sprachgeschichte interessant ist dieser neben Luther einflussreichste Reformator durch seine Institution de la religion chrétienne (1541). Es ist die von ihm selbst verfasste Übertragung seines 1535 in Basel publizierten lateinischen Buches Christianae religionis institutio und wurde gedruckt in der freien Reichsstadt Strassburg, einer der Hochburgen des frühen deutschen Druckereiwesens. Die zur bald zur Grundlage des Protestantismus kalvinistischer Ausprägung werdende Institution war vermutlich einer der meistgelesenen französischsprachigen Texte des ganzen 16. Jh. und das erste weitverbreitete theologische Werk in franz. Sprache. Calvin setzte mit ihm (ähnlich wie Luther in Deutschland) sprachliche und stilistische Maßstäbe durch seine nüchterne und klare Ausdrucksweise, die auch weniger Gebildete verstehen können sollten und die selbst seine Feinde bewunderten. 1542 wurde die Institution in Frankreich verboten, 1544 sogar öffentlich verbrannt, was jedoch der Verbreitung nur nutzte. Calvin (dessen eigentlicher Name Cauvin war) hatte nach seiner Schulzeit in Paris zunächst Jura in Orléans und in Bourges studiert, hatte dann, wieder in Paris, humanistische Studien am neuen Collège des Lecteurs du roi begonnen (1531) und war hierüber in Kontakt mit lutherischem Gedankengut gelangt. Ab 1533 ist er erklärter Protestant, muss 1534 wie so viele Sympathisanten der Reformation Paris verlassen und lebt danach unstet im Exil (Nérac, Basel, Ferrara, Genf, Strassburg), wobei er eine Vielzahl theologischer Schriften verfasst. Ab 1541, dem Erscheinungsjahr der Institution, wirkte er im schweizerischen Stadtstaat Genf, der unter ihm zum geistigen Zentrum der Reformation im franz. Sprachraum und ansatzweise zu einer Art fundamentalistischem Gottesstaat wurde, in dem es auch nicht eben tolerant zuging.
nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur Autor: Admin on 10/11/03
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