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Chapelain , Jean
frz. Dichter und Kunsttheoretiker (1595 - 1674), Mitglied der Académie française.
Geburtsdatum: 4. Dezember 1595
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 22. Februar 1674
Sterbeort: Paris
Dieser insgesamt bestenfalls durchschnittliche Autor ist gleichwohl sehr bedeutsam geworden durch seine Lettre sur la règle des vingt-quatre heures (1630), einen poetologischen Traktat über die aristotelische Lehre von den drei Einheiten des Dramas: der der Handlung, der des Ortes und der der Zeit, wonach die Handlung eines Stücks zielstrebig und einlinig sein soll, möglichst nur an einem Ort spielen darf und innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein muss. Chapelain orientiert sich hierbei an italienischen Dramatikern und Theoretikern, vor allem Giulio Cesare Scaligero. Er reagiert damit gegen das seines Erachtens regellose Theater des fruchtbarsten Dramatikers der ersten Jahrzehnte des Jh., Alexandre Hardy (ca. 1570-1632, angeblich über 600 Stücke!). Nach dem Erfolg seines Traktats und vor allem dank dem Umstand, dass er 1635 zu den Gründungsmitgliedern der Académie Française gehört, ist Chapelain fast 40 Jahre lang einer der Platzhirsche des Pariser Literaturbetriebs. Mehr nebenher betätigt er sich als Gelegenheitsdichter im Dienste hochstehender Personen, als Chefkritiker der Académie (die laut Gründungsauftrag über den guten Geschmack in Sprache und Literatur wachen soll) sowie als Epiker, wobei das Versepos La Pucelle d'Orléans (1656) bei seinem Erscheinen nur deshalb kurz erfolgreich ist, weil ganz Paris schon lange darauf gewartet hatte. Ab 1661 führt Chapelain im Auftrag des neuen allmächtigen Ministers Colbert eine königliche Pensions-Liste, auf die solche Autoren gesetzt werden, die Colbert und seinem jungen König Ludwig XIV. genehm sind und damit als einer jährlichen Gratifikation würdig erscheinen.
nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur Autor: Admin on 10/11/03
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