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    04.09.2010, 08:49 Uhr  
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ABout FranCe -- Lexika
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Constant , Benjamin
(=Henri-Benjamin Constant de Rebecque, *25.10.1767 Lausanne; +8.12.1830 Paris).
Der wie so viele frankophone Autoren zwischen Literatur und Politik pendelnde Constant (so sein Name in der Literaturgeschichte) ist Abkömmling einer im 16. Jh. in die Schweiz emigrierten Familie franz. Hugenotten. Seine Mutter stirbt bald nach seiner Geburt und er verlebt (was sicher stark zu seiner offensichtlichen späteren Bindungsunfähigkeit beiträgt) eine ziemlich unstete Kindheit und Jugend zunächst bei den Großeltern in der Schweiz, später im Schlepptau seines Vaters, eines offenbar sehr mobilen Berufsoffiziers, in Holland, der Schweiz, dem damals noch österreichischen Brüssel und in England, wobei er mal bessere, mal schlechtere Hauslehrer hat.
Mit 15 beginnt er ein Jurastudium in Erlangen, das er drei Semester später in Edinburgh fortsetzt. Zugleich liest er viel und beginnt zu schreiben, verfällt allerdings auch dem Spiel und macht Schulden. Darüberhinaus reist er oft und hat er früh Liebesaffären. 1786 lernt er bei einem Parisaufenthalt die damals viel gelesene Romanautorin Mme de Charrière (1740-1805) kennen, eine in der Schweiz verheiratete gebürtige Holländerin, die ihm zu einer (zunächst wohl nicht nur platonischen) mütterlichen Freundin wird und auf deren Landsitz bei Neuchâtel er in den nächsten Jahren häufig kürzer oder länger weilt.
1788 wird er Kammerherr des Herzogs von Braunschweig und heiratet ein Jahr später die Hofdame Wilhelmine von Cramm. Er hält es aber nicht lange mit ihr aus, geht oft auf Reisen und reicht schließlich die Scheidung ein, um sich mit einer anderen, ebenfalls noch verheirateten, aber scheidungswilligen Braunschweiger Hofdame zu liieren, Charlotte von Hardenberg (die er jedoch erst 1808, nach mehreren zwischendurch absolvierten Verhältnissen mit anderen Frauen und einer zweiten Ehe ihrerseits heiraten wird, ohne dass die beiden hiernach glücklich werden). 1794 begegnet Constant in der Schweiz der ein Jahr älteren Mme de Staël: es ist der Beginn einer langen, für beide Seiten nervenaufreibenden Beziehung (aus der 1797 eine Tochter hervorgeht).
1795, nach dem Ende der Schreckensherrschaft und der Etablierung des Directoire, begleitet Constant Mme de Staël nach Paris und beginnt sich dort als vielbeachteter politischer Publizist und Redner zu betätigen. Nach dem Staatsstreich Napoleons von 1799 spielt er kurz auch eine aktive Rolle in der hohen Politik, ehe er 1802 kaltgestellt wird.
Anschließend ist er wieder viel unterwegs, u.a. mit Mme de Staël, die er auf Teilen ihrer Deutschlandreise 1803/04 begleitet und die ihn, nachdem sie 1802 verwitwet ist, zur Eheschließung drängt, während er sie zwischendurch immer wieder zugunsten neuer und alter Geliebten verlässt und sich schließlich (s.o.) sogar ohne ihr Wissen verheiratet.
Trotz seiner unsteten Lebensweise schreibt Constant ständig: meistens historiographische und/oder politologische oder politische Schriften und Artikel, 1806/07 aber auch einen autobiografischen Roman, Adolphe (s.u.), sowie 1811 (?) ein erst 1951 wiederentdecktes, ebenfalls autobiografisches Romanfragment, Cécile. 1811 beginnt er eine Autobiografie mit dem Titel Ma Vie, die aber nur bis zum Ende seiner Jugendzeit gelangt und erst 1907 aus dem Nachlass als Le Cahier rouge gedruckt wird. Daneben führt er umfangreiche, offensichtlich nicht für die Veröffentlichung bestimmte Tagebücher (postum publiziert als Journal intime) und eine ebenso umfangreiche Korrespondenz mit vielerlei Briefpartnern. Das Theater reizt ihn weniger; immerhin verfasst er 1807/08 das Drama Wallstein (Druck 1808).
1814, als nach der Niederlage Napoleons die alte Königsfamilie der Bourbonen zurückgekehrt ist und Ludwig XVIII. den Thron bestiegen hat, publiziert Constant ein Plädoyer für eine konstitutionelle Monarchie. 1815 schließt er sich Napoleon an, als dieser unerwartet an die Macht zurückkehrt, und entwirft in seinem Auftrag eine Verfassung für Frankreich. Nach der baldigen endgültigen Niederlage Napoleons (18. Juni) in der Schlacht von Waterloo (nahe Brüssel) zieht Constant es vor, Frankreich zu verlassen und zu reisen.
1817 kehrt er nach Paris und in die Politik zurück, wird immer wieder als Abgeordneter in die neue Chambre des Députés gewählt und betätigt sich als gefürchteter Parlamentsredner und Pamphletist. Zugleich verfasst er bedeutende politologische und staatstheoretische Schriften und wird mit ihnen zum Mitbegründer des Liberalismus, d.h. der Doktrin, dass der Staat sich möglichst wenig in die persönlichen und zumal die wirtschaftlichen Belange seiner Bürger einmischen solle und möglichst viel Initiative und Verantwortung ihnen selbst überlassen müsse. Eine vierbändige religionswissenschaftliche Abhandlung, De la religion considérée dans sa source, ses formes et ses développements (1824-31), an der er schon als junger Mann zu arbeiten begonnen hatte, geriet dagegen bald in Vergessenheit.
Seinen Platz in der Literaturgeschichte verdankt Constant vor allem dem erfolgreichen und immer noch gut lesbaren Adolphe (geschrieben 1806/07, gedruckt erst 1816), der offenbar seine eigene fast pathologische Zerrissenheit zwischen Bindungswünschen und Bindungsangst spiegelt und von seiner schwierigen Situation zwischen Charlotte von Hardenberg und Mme de Staël inspiriert ist. Der als ein frühes Meisterwerk des psychologischen Romans geltende Adolphe schildert in Form einer Ich-Erählung die Geschichte eines jungen Mannes, der eine etwas ältere Frau verführt, sich, als er merkt, dass sie ihn liebt, von ihr zu lösen versucht, dies aber aufgrund der vielen Opfer, die sie ihm bringt, nicht kann, dann aber doch wieder will und sie durch sein unentschlossenes Hin und Her und den schließlichen Verrrat in Krankheit und Tod treibt.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Autor: Admin on 10/12/03

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