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Balzac , Honoré de
(20.5.1799 Tours - 18.8.1850 Paris).
Er gilt den Franzosen neben Molière und Victor Hugo als einer ihrer bedeutendsten Autoren und bildet, auch wenn er eigentlich zur Generation der Romantiker zählt, mit Stendhal und Flaubert das Dreigestirn der großen franz. Realisten.
Balzac ist Sohn eines ursprünglich Balssa heißenden, nach 1789 vom Notariatsangestellten zum hohen Beamten bei der Armee aufgestiegenen Bourgeois sowie dessen 32 Jahre jüngerer Frau, die, um mehr Freiheit zu haben, Honoré und seine beiden jüngeren Schwestern erst zu Ammen, dann in Internate gibt, wo er eine freudlose Jugend verlebt und einen lebenslangen Groll auf seine Mutter entwickelt.
1814 erhält Balzacs Vater einen guten Posten in Paris, der Heimatstadt der Mutter, und die Familie zieht von ihrem bisherigen Wohnsitz Tours in die Hauptstadt. Hier schließt Honoré 1816 seine Schulzeit ab, beginnt Jura an der École de Droit zu studieren und nebenher bei einem Notar zu arbeiten.
Mit 20 gibt er das Studium auf, beschließt Schriftsteller zu werden und lässt sich von seinem Vater zwei karg alimentierte Probejahre gewähren. Das Ergebnis (allerlei Feuilletonistisches, ein Opernlibretto, zwei Tragödien und mehrere Romane) überzeugt die Familie zwar nicht, doch bleibt Balzac bei seinem Entschluss und schreibt in den Folgejahren, z.T. in Zusammenarbeit mit anderen Autoren und unter den Pseudonymen Lord R'Hoone oder Horace de Saint-Aubin, an die zehn weitere Romane, allerdings ohne den erhofften Durchbruch zu erzielen.
Dieser gelingt ihm schließlich 1829 mit dem historischen Roman nach der neuen Machart Walter Scotts: Le dernier Chouan ou la Bretagne en 1800 (später überarbeitet und umbenannt in Les Chouans ou la Bretagne en 1799), wo er mit einem jungen Adeligen als Protagonisten das tragische Ende eines der letzten königstreuen Widerständlers gegen das Revolutionsregime schildert. Es ist zugleich das erste größere Werk, das Balzac mit seinem Namen zeichnet, den er anschließend mit einem "de" verziert, nachdem ihm der Erfolg einige Pariser Salons geöffnet hat.
Viel Zeit zu einem gesellschaftlichen oder auch nur privaten Leben neben der Schriftstellerei hat er allerdings nicht, da er hoch verschuldet ist, seitdem er 1828 mit einer Druckerei und Letterngießerei Bankrott gemacht hat und ständig Gläubiger, darunter seine Mutter, auf den Fersen hat. Immerhin hat er von 1822 bis zu ihrem Tod 1836 eine mütterliche Freundin, Mme de Berny, und mehrere kurzlebige Verhältnisse samt einer mutmaßlichen Tochter (1834).
1833 kommt ihm die Idee, die Figuren seiner bis dahin verfassten und der künftigen Romane immer wieder neu auftreten zu lassen, so dass mit ihnen und um sie herum eine überschaubare Welt entsteht, die zugleich ein Abbild der nachrevolutionären franz. Gesellschaft sein soll - und tatsächlich eine plastische Vorstellung zumindest der bürgerlichen Gesellschaftsschichten der Epoche gibt, der die Mehrheit der insgesamt über 2000 Figuren zuzuordnen ist. Entsprechend gibt Balzac bei einer ersten Gesamtausgabe 1842/1843 seinem erzählerischen Werk den Obertitel La Comédie humaine und ordnet er seine Romane - bei seinem Tod werden es mehr als 90 sein - in Gruppen (Études philosophiques, Études analytiques und Études de moeurs) und Untergruppen (Scènes de la vie privée usw.).
Die außergewöhnliche Schaffenskraft und der enorme Fleiß Balzacs (schon zu seinen Lebzeiten legendär wurde sein infernalischer Arbeitsrhythmus und sein Kaffeverbrauch) beschränken sich im Übrigen nicht auf seine Aktivität als Erzähler. Vielmehr versucht er sich auch, wenngleich ohne Erfolg, als Dramatiker, betätigt sich mit großer Energie als Journalist und ist um 1840 eine Weile Vorsitzender des neugegründeten Schriftstellerverbandes. Die Aufnahme in die Académie française war ihm trotz dreier Anläufe (zuletzt 1843) nicht beschieden: seine Schreibweise galt bei der professionellen Literaturkritik lange als unseriös und formlos.
1850 heiratet Balzac die ukrainische Gräfin E. Hanska, mit der er 1832 in Briefkontakt getreten war, sich 1833/1834 in der Schweiz kurz getroffen hatte und, nach ihrer Verwitwung 1841, seit 1843 zusammenlebte, und zwar teils in Paris, teils in Russland und teils auf größeren Reisen. Er ist jedoch zur Zeit seiner Heirat schon seit längerem krank und stirbt wenige Monate später.
Erst seine Witwe hat erfreuliche Einkünfte aus seinem schriftstellerischen Schaffen; denn Balzac schmälerte seine Honorare ganz erheblich dadurch, dass er auf den Korrekturfahnen seiner Texte (d.h. den Probeausdrucken) so viele Verbesserungen anbrachte, dass das Ganze jeweils neu gesetzt werden musste.
Seine heute bekanntesten Romane und Erzählungen sind: La Peau de chagrin, 1831; Le Colonel Chabert, 1832; Le Médecin de campagne, 1833; Contes drôlatiques, 1832-37; Le Lys dans la vallée, 1836; Histoire de la grandeur et de la décadence de César Birotteau, 1837/38; Illusions perdues, 1837-43; La Cousine Bette, Le Cousin Pons, 1847, sowie vor allem Eugénie Grandet, 1833, und Le Père Goriot, 1834.
Balzacs Romanschaffen gilt heute in der Literaturgeschichte als prototypisch für den traditionellen Roman "à la Balzac", d.h. einen Roman mit interessanten, nicht eben Durchschnittstypen verkörpernden Protagonisten, einer interessanten, mehr oder minder zielstrebigen Handlung und einem eindeutigen Vorherrschen der auktorialen Erzählsituation.
nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur Autor: Admin on 10/9/03
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