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ABout FranCe -- Lexika
Volume: Frankreich ABC
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Maupassant, Guy de
frz. Schriftsteller (1850-1893).
Ein noch immer relativ bekannter und auch gut lesbarer Autor. Er ist Sohn der Schwester eines Jugendfreundes von Flaubert und eines sich bald durch seinen aufwendigen Lebensstil ruinierenden Adeligen. Als der Vater sich 1859 in Paris als Bankangestellter verdingen muss, trennt sich die Mutter von ihm. Maupassant wächst auf in Fécamp und Étretat (Normandie) und erhält eine gutbürgerliche Schulbildung als Internatschüler im Petit séminaire von Yvetot und danach im Collège impérial von Rouen; früh auch macht er literarische Versuche. Nach Jurastudien ohne Abschluss und kurzer Teilnahme am französisch-deutschen Krieg 1870/71 arbeitet er einige Jahre lustlos als mittlerer Ministerialangestellter in Paris, wobei sein Hobby Kanufahren auf der Seine ist. Ab 1877 leidet er an Syphilis, was ihm (bald zusammen mit der Angst, verrückt zu werden wie sein jüngerer Bruder Hervé) den Rest des Lebens verdunkelt. Seine ersten Erzählungen verfasst er 1875 unter Anleitung Flauberts, der ihm ein väterlicher Freund ist und ihm erste Bekannschaften mit Pariser Literaten vermittelt, insbesondere mit Zola. Maupassants Durchbruch wird 1880 die meisterhafte längere psychologische Novelle Boule de suif, die in einem Sammelband erscheint, an dem Zola, Huysmans und andere, schon bekannte Autoren der jungen Schule des Naturalismus beteiligt sind. Danach schreibt Maupassant mit wachsendem Erfolg und auch Einkommen ca. 300 Erzählungen und 6 Romane in einer dem Naturalismus nahestehenden Manier. Hauptschauplätze sind die Normandie und Paris, Ort der Erstveröffentlichung ist zumeist das Feuilleton von Pariser Zeitschriften (deren Redaktionen er hierbei als Insider kennenlernt). Heute noch gelesen werden - neben zahlreichen als Schullektüre obligaten Erzählungen - die Romane Une Vie (1883) und vor allem Bel-Ami (1885). Une Vie erzählt die in Frustration und sozialem Abstieg endende Geschichte einer adeligen Frau von ihren ca. 15. bis ca. 50. Lebensjahr. Bel-Ami schildert die entscheidenden Jahre eines (von Maupassant sichtlich als Figur zugleich gehassten und bewunderten) jungen Mannes kleinbürgerlicher Herkunft, der durch sein Glück bei den Frauen, aber auch durch Energie, Geschick und Ehrgeiz vom Provinzler und kleinen Büroangestellten zum erfolgreichen Pariser Journalisten, Schwiegersohn eines reichen Zeitungsverlegers und künftigen Politiker aufsteigt. Bis 1891 lebt und arbeitet Maupassant trotz zunehmender Gesundheitsprobleme wie besessen, dann holt ihn die Syphilis ein. Anfang 1892 begeht er einen Selbstmordversuch, danach ist er geistesgestört; ein Jahr später stirbt er, knapp 43-jährig, in einer Pariser Klinik.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Internet: Maupassantiana, eine französischsprachige Site von Noëlle Benhamou, Professorin des IUT de l'Oise.

Autor: Admin on 10/16/03