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    04.09.2010, 09:02 Uhr  
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ABout FranCe -- Lexika
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Chateaubriand , François René, vicomte de Chateaubriand (1768-1848).
Geburtsdatum: 04. September 1768
Geburtsort: Saint-Malo
Sterbedatum: 04. Juli 1848
Sterbeort: Paris
Begraben: Insel Grand-Bé bei Saint-Malo

Er gilt als einer der ganz Großen der franz. Literatur und insbesondere als einer der Väter der europäischen Romantik.
Aufgewachsen in Saint-Malo und Schloss Combourg (Bretagne) als jüngstes von 10 Kindern einer provinzadeligen Familie, schwankt Chateaubriand zunächst zwischen einer Laufbahn als Marineoffizier oder Priester. 1786 wird er schließlich Leutnant in einem Regiment unweit Paris, lässt sich (worauf seine Familie traditionell Anrecht hat) von einem älteren Verwandten dem König vorstellen und findet auch Zutritt zu Salons in Paris, wo er sich ab 1787 häufig aufhält und erste literarische Versuche unternimmt.
Die Anfänge der Revolution 1789 verfolgt er, wie so viele liberale und aufgeklärte Adelige, mit Sympathie. Zunehmend unzufrieden jedoch mit der Radikalisierung der politischen Entwicklung, verlässt er 1791 Frankreich zu einer neunmonatigen Reise nach und durch Amerika. Hier erkundet er vor allem die damals franz. Gebiete am Mississipi, deren Weite und noch fast unberührte Schönheit ihn beeindrucken, deren indianische Ureinwohner ihn dagegen deprimieren, weil sie durch ihre Kontakte mit Europäern sich selber entfremdet und keine "guten Wilden" (bons sauvages) mehr sind.
Nach seiner Rückkehr Anfang 1792 heiratet Chateaubriand standesgemäß eine junge Adelige, verlässt sie aber sofort und schließt sich der "Armée des émigrés" an, einer überwiegend aus geflüchteten franz. Adeligen bestehenden Truppe, die an der Seite Österreichs und Preußens gegen das revolutionäre Frankreich kämpft, um König Ludwig XVI. und die Monarchie wieder in ihre absoluten Rechte einzusetzen.
1793 (Ludwig XVI. ist inzwischen abgesetzt und guillotiniert, doch der Krieg geht weiter) wird Chateaubriand verwundet und lässt sich nach seiner Genesung in London nieder. Hier lebt er armselig als Französischlehrer, wird aber zum Schriftsteller, indem er die umfangreichen Notizen seiner Amerikareise zu zwei literarischen Texten ausgestaltet, Les Natchez und Voyage en Amérique (die er beide erst sehr viel später, 1826 und 27, publizieren wird), und indem er den politische und persönliche Reflexionen verbindenden Essai historique, politique et moral sur les révolutions anciennes et modernes verfasst (gedruckt 1797).
1798 wird er fromm und beginnt die anti-aufklärerische Schrift Le Génie du Christianisme, die er 1802 in Paris publiziert; denn er ist 1800, dem Aufruf Napoleons an die emigrierten Adeligen folgend, nach Frankreich zurückgekehrt und dort höherer Beamter geworden. Le Génie du Christianisme, eine die ethischen, ästhetischen und emotionalen Aspekte der katholischen Religion herausarbeitende und verherrlichende Apologie, ist erstaunlich erfolgreich und wird einer der Auslöser der geistigen und literarischen Bewegung der Romantik. In das Werk eingefügt sind zwei längere Erzählungen, Atala (erstmals separat schon 1801 gedruckt) und René, die zu Kultbüchern einer ganzen Generation werden.
Atala, die tragische Geschichte einer jungen Halbindianerin, die den Konflikt zwischen ihrer Liebe und der Keuschheit, die sie ihrer frommen französischen Mutter gelobt hat, durch den Freitod löst, wird vor allem durch die eingestreuten stimmungsvollen Naturschilderungen vorbildhaft. René kreiert in der Figur des Titelhelden den Typ des vom "mal du siècle", dem "Weltschmerz", zerrissenen romantischen Künstlers und Intellektuellen - ein Typ, der dann jahrzehntelang die europäische Literatur bevölkern wird.
Als 1804 Napoleon den jungen Duc d'Enghien, einen bourbonischen Prinzen und potentiellen Thronerben, entführen, verurteilen und erschießen lässt, ist auch Chateaubriand empört. Er bricht ostentativ mit dem napoleonischen Regime und demissioniert. Zugleich hält er es für angebracht, endlich mit seiner Frau zusammenzuleben, doch bleibt ihr Verhältnis offenbar locker.
1806 unternimmt er eine mehrmonatige Rundfahrt durch Italien, Griechenland, Palästina, Nordafrika und Spanien, die er anschließend in dem Reisebericht Itinéraire de Paris à Jérusalem (publiziert 1811) teils pittoresk beschreibend, teils melancholisch reflektierend schildert. Breiten Raum nimmt in dem Buch das damals zum Osmanischen (=türkischen) Reich gehörende Griechenland ein, womit Chateaubriand den Boden bereiten hilft für die große Anteilnahme, mit der Europa ab 1821 den Befreiungskampf der Griechen gegen die türkische Herrschaft verfolgt und schließlich aktiv unterstützt.
1807 reist er wieder nach Spanien, um dort eine Bekannte, Natalie de Noailles, zu treffen, in die er sich verliebt hat, obwohl sie, wie er, verheiratet ist. Den Zustand ständiger Trennungen mit der Aussicht auf den unausweichlichen Verzicht (der 1812 erfolgen wird) verarbeitet Chateaubriand in mehreren Werken: 1807/08 verfasst er das pathetische Prosa-Epos Les Martyrs ou le Triomphe de la religion chrétienne, dessen Handlung das weitgespannte römische Reich des späten 3. Jh. zum Schauplatz hat (aber viele verdeckte Bezüge zur Gegenwart aufweist) und sich um ein ebenfalls getrenntes Liebespaar rankt, das erst in Rom im gemeinsam erlittenen Tod als Märtyrer zusammenfindet (publiziert 1809). 1809/10 schreibt er die im Granada des frühen 16. Jh. spielende, ein schließlich verzichtendes Paar zeigende Novelle Les aventures du dernier Abencérage (gedruckt erst 1826, aber aus Lesungen des Autors vielen Personen schon vorher bekannt).
1811 versucht sich Chateaubriand auch als Theaterautor mit der Tragödie Moïse, die jedoch unaufgeführt bleibt. Im selben Jahr wird er, nicht ohne Schwierigkeiten, denn er ist ja Oppositioneller, Mitglied der Académie Française.
Nach dem Sturz Napoleons und der Rückkehr der alten Königsfamilie der Bourbonen auf den Thron (1814/15) tritt er demonstrativ in die Dienste "seines" Königs Ludwig XVIII. und wird belohnt mit der Würde eines Pair de France (d.h. eines Angehörigen der als parlamentarisches Oberhaus fungierenden Chambre des pairs) sowie mit Botschafterposten in Stockholm (1814), Berlin (1820) und London (1822). Ende 1822 ist er franz. Chef-Delegierter auf dem Kongress von Verona und lässt dort Frankreich mit einer militärischen Intervention in Spanien beauftragen, wo liberale Gruppierungen dem König eine Verfassung abgetrotzt hatten, die nach dem Sieg der franz. Truppen kassiert wird. 1823/24 ist er sogar kurzzeitig Außenminister, geht nach seiner Entlassung aber auf Distanz zu dem erzkonservativen neuen König Karl X. (dem jüngeren Bruder von Ludwig XVIII.). 1828/29 ist er allerdings erneut Botschafter, nunmehr in Rom.
In diesen politisch aktiven fünfzehn Jahren schreibt er naturgemäß weniger, betätigt sich aber journalistisch, z.B. 1818-20 als Herausgeber der Zeitschrift Le Conservateur, und verfasst Notizen und Entwürfe für seine Memoiren, an denen er schon 1809 zu arbeiten begonnen hat.
Als 1830 die Juli-Revolution ausbricht, Karl X. abdankt und Herzog Louis-Philippe d Orléans (aus einer Seitenlinie der Bourbonen) als "Bürgerkönig" auf den Thron kommt, sieht Chateaubriand den Adel einmal mehr marginalisiert. Er zieht sich deshalb, auch wenn er sich noch hin und wieder für die Sache der im Exil befindlichen Hauptlinie der Bourbonen engagiert, aus der Politik zurück.
Entsprechend hat er nun wieder Muße zum Schreiben. Er verfasst allerlei Historisches (darunter einen Band Études historiques, 1831, einen zweibändigen Essai sur la littérature anglaise, 1836, eine zweibändige Geschichte des Kongresses von Verona, 1838). Vor allem aber redigiert er, quasi aus der Distanz eines schon "jenseits des Grabes" Befindlichen, seine Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten tiefer politischer Umbrüche: die umfangreichen Mémoires d'outre-tombe, die jedoch erst postum erscheinen sollen (auch wenn er die Rechte praktischerweise schon 1836 an einen Verlag und 1844 zusätzlich an eine Zeitung verkauft).
Sein letztes literarisches Werk ist 1844 die Vie de Rancé, eine Biografie des Gründers des Trappistenordens (1625?-1700). Chateaubriand stirbt Anfang Juli 48, nachdem er noch einen weiteren Umbruch, die Februar-Revolution und die Niederknüppelung der Pariser Arbeiterrevolte im Juni, miterlebt hat.
Sein Nachruhm als Autor beruht vor allem auf Atala und noch mehr auf René, die seit 1805 meist gemeinsam in einem Band, aber separat von Le Génie du Christianisme, gedruckt werden und immer noch erstaunlich gut lesbar sind.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Autor: Admin on 12/13/03

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