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    04.09.2010, 06:13 Uhr  
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ABout FranCe -- Lexika
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Bodin
Jean Bodin (1529 oder 1530-1596). Er ist bedeutsam geworden und heute vor allem bekannt als Autor von Les six livres de la république (1576), dem ersten staatstheoretischen Buch von Rang in franz. Sprache. Ausgehend von der Annahme, dass das Klima eines Landes den Charakter seiner Bewohner prägt und damit die für sie geeignetste Regierungsform vorgibt, postuliert Bodin als ideales Regime für die Bewohner des klimatisch gemäßigten Frankreichs eine zentralistische und letztlich absolutistische "souveräne", d.h. keiner anderen Instanz unterworfene Monarchie, die aber von Institutionen wie den Parlements (=obersten Gerichtshöfen) und den États généraux (=Ständeversammlungen) in gewissen Schranken gehalten wird und die vor allem religiös tolerant ist, d.h. über den konfessionellen Parteien steht. Mit dem letzteren Postulat reagiert Bodin auf die Tatsache, dass die ständigen Bürgerkriege und mörderischen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten (wie z.B. die Massaker der Bartholomäusnacht 1572) nicht zuletzt auch deshalb entstanden oder nicht beizulegen waren, weil die stets auf seiten der Katholiken stehenden Könige immer Partei waren und somit nie als schlichtende Instanz auftreten konnten. Mit seinem sofort sehr erfolgreichen Buch wird Bodin zu einem der Begründer der Bewegung der pragmatisch gesonnenen "politiques", die in den Folgejahren an Einfluss gewinnen und schließlich, unter Heinrich IV., das Ende der Religionskriege und das Toleranzedikt von Nantes (1598) erreichen. Der aus Angers stammende Bodin war zunächst Karmelitermönch, studierte und lehrte in den 1550-er Jahren Jura in Toulouse und war zeitweise Sympathisant des Protestantismus, weshalb er in der 60-er Jahren mehrfach im Gefängnis saß und einmal knapp dem Scheiterhaufen entrann. In den 70-er Jahren gehörte er zum Personal und Beraterstab des ehrgeizigen jüngeren Bruders von Heinrich III. und präsumptiven Thronerben François d'Alençon (bzw. d'Anjou). 1576 ist er Abgeordneter des Dritten Standes auf den États généraux und versucht mäßigend auf die Katholiken einzuwirken. Im selben Jahr verheiratet er sich in Laon und übernimmt dort von seinem Schwiegervater das Amt des königlichen Generalleutnants und Staatsanwalts, das er bis zu seinem Tod bei einer Pestepidemie ausüben wird. Vielleicht resultiert aus dieser Amtstätigkeit seine nachfolgende Annäherung an die katholische Partei und vor allem sein Interesse für Hexenprozesse. 1580 nämlich publiziert er ein weiteres erfolgreiches, in mehrere Sprachen übersetztes, heute aber gern übergangenes Werk, La Démonomanie des sorciers, ein Handbuch der Hexer- und Hexenkunde samt Verfahrensratschlägen und Argumentationshilfen für Richter zwecks Verhängung der seines Erachtens unbedingt erforderlichen Todesstrafen. Bodin ist übrigens auch interessant als der offenbar erste, der das vor dem 16. Jh. unbekannte Phänomen der Inflation oder schleichenden Geldentwertung quasi wissenschaftlich analysierte und zutreffend aus der starken Erhöhung der Geldmenge erklärte, die mit dem Gold und Silber aus den spanischen Kolonien in Amerika geprägt und in Umlauf gebracht wurde (Réponse aux paradoxes de M. de Malestroit, 1568).



nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Autor: Admin on 10/11/03

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